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Die Brücke

Das Projekt zielt auf den Einsatz und die Fortbildung von Lots(inn)en mit Migrationshintergrund zur sozialen Prävention und Anbahnung von Integration. Die Lots(inn)en fungieren an der Schnittstelle zwischen den Regelangeboten (Soziales, Kultur, Jugend, Bildung u.a.) im Bezirk und den von diesen Angeboten schwer erreichbaren Einwohnergruppen mit Migrationshintergrund.

 

Kontaktinformationen

Lotsenprojekt "Die Brücke"
Müllerstraße 158
13353 Berlin
Berlin
www.berlin.de/ba-mitte/aktuell/lotsen.html

Projektstandorte                            Qm/Stm-Gebiete            Träger
Müllerstraße 158, 13353 Berlin       (Qm-Sparrplatz)             VIA e.V. / FITA e.V. 
Putbusser Straße 27, 13355 Berlin (Stm-Brunnenviertel)      VIA e.V. / FITA e.V.
Huisittenstraße 62, 13355 Berlin    (Stm-Ackerstraße Nor)    AG SPASS         
Pohlstraße 62, 10785 Berlin           (QM-Magdeburger Platz) Stadtteilverein Tiergarten


Entstehungszusammenhang und Rahmenbedingungen

Laufzeit
11/2005 – 12/2008
Programmförderung
Soziale Stadt und Arbeitsförderung Jobcenter
Finanzierung
„Soziale Stadt“ und ABM-Mittel

Entstehung

Ziel ist es, wenig integrierte Bevölkerungsgruppen eines Sozialraumes (QM-Gebietes) in den Genuss der Dienstleistungen zu bringen, die der Gesetzgeber für sie vorgesehen hat. Diese Leistungen werden von der Zielgruppe bisher in nur unzureichendem Ausmaß in Anspruch genommen - sei es aus Unkenntnis, mangelnder Wertschätzung oder Scheu vor Ämtern.  Nach einer ursprünglichen ideellen Anlehnung des Projektantragstellers an das Integrationsassistent(inn)en-Modell aus Darmstadt wurde das Projektkonzept in der  Entstehungsphase unter der Mitwirkung des Bezirksamts Mitte von Berlin stark verändert. Seit dem Beginn des Pilotprojektes gibt es im Bezirksamt eine Arbeitsgruppe zur Koordination der „Brückenteams“, mittels derer die Vertreter/innen der verschiedensten Ämter die Tätigkeit der Lots(inn)enteams und ihrer Projektleitungen fördern. Das Bezirksamt Mitte stellt auch die Qualifikation der Lots(inn)en sicher, da die Fortbildungsbausteine von Mitarbeiter(inne)n der Verwaltung gestaltet werden.

Rahmenbedingungen

Die Teamleitung übernimmt folgende Tätigkeiten:

  • sie koordiniert die Tätigkeit, bei Anforderung auch den Einsatz der Lots(inn)en
  • sie steht den Lots(inn)en beim Bewältigen ihrer Aufgabe zur Seite
  • sie ist das Bindeglied zum Träger
  • sie ist im Projekt für die Personalauswahl und -führung zuständig
  • sie gewährleistet die Zusammenarbeit mit dem Quartiersmanagement und den Einrichtungen im Kiez
  • sie sichert die Arbeit des Vor-Ort-Büros
  • sie organisiert und konkretisiert die Fortbildungsmaßnahmen
  • sie unterhält die Kontakte zu Bezirks- oder Senatsstellen (z. B. Migrantenbeauftragte, Antidiskriminierungsstelle, Integrationsbeauftragte, Gleichstellungsbeauftragte, Koordinatorin gegen häusliche Gewalt usw.)
  • sie konzipiert und gestaltet die Öffentlichkeitsarbeit

Die Lots(inn)en sind 38,5 Stunden die Woche tätig und über ABM des Jobcenter Berlin Mitte beschäftigt.

Ziele und Zielgruppen

Ziel ist die Ermöglichung eines besseren Zugangs der Zuwanderer in den Gebieten mit erhöhtem Entwicklungsbedarf (Qm-Gebiete) an die sozialen Dienstleistungen des Bezirks bzw. des Landes Berlin (Versorgung), mit dem Aspekt der Hilfe zur Selbsthilfe. Die Lots(inn)en fungieren an der Schnittstelle zwischen den Regelangeboten (in allen Lebensbereichen) im Bezirk und den von diesen Angeboten schwer erreichbaren Einwohnergruppen mit Migrationshintergrund.

Hierbei sollen die in den Quartieren vorhandenen sozialen Netzwerke (insbesondere gemeinwesenorientierte Projekte und Quartiersmanagement) genutzt und ausgebaut werden, um zielgruppenspezifisch das Leben der Bewohnerinnen und Bewohner mit Migrationshintergrund im Sozialraum zu verbessern. Die Motivation und Engagement sowie Potenziale der Migrant(inn)en sollen gestärkt und einbezogen werden.

Es gibt drei Zielgruppen:

1. Zuwanderer in den QM-Gebieten

Die Zielgruppe besteht aus den gesellschaftlichen Zusammenhängen (insbesondere ökonomisch und sozial) weitgehend an den Rand gedrängten Migrantinnen und Migranten in Kiezen mit großen sozialen Problemen, hoher Arbeitslosigkeit und Abhängigkeit von Transferleistungen. Die Zielgruppenbestimmung ergibt sich aus der sozialen / ethnischen Zusammensetzung des jeweiligen Gebietes - vorwiegend handelt es sich um Migrant(inn)en aus der Türkei (Türken und Kurden), arabisch sprechende Migrant(inn)en, Migrantinnen aus Ex-Jugoslawien (v.a. Roma), Spätaussiedler/innen und einige andere große Gruppen (z.B. Migrantinnen aus verschiedenen afrikanischen Ländern).

Die Lots(inn)en zeigen den Zuwanderern den Weg der Problemlösung und aktivieren sie möglichst so, dass sie lernen, wie sie die Probleme angehen, welche bezirklichen oder sonstigen Stellen für die jeweiligen Problemlösungen zuständig sind und wie sie den vorgeschlagenen Weg in Zukunft selber gehen können (Empowerment-Aspekt).

2. Bezirksverwaltung und andere Träger der sozialen Dienstleistungen

Die Lots(inn)en zeigen nicht nur den Weg, sondern bleiben mit den hilfesuchenden Zuwanderern in Kontakt, verfolgen den Verlauf und erfahren von ihnen, an welchen Stellen die örtlichen Angebotsstrukturen verbessert, optimiert und auf die spezifische Bedürfnisse der Zuwanderergruppen ausgerichtet werden sollten.

Durch anonymisierte Dokumentationsbögen können diese Informationen festgehalten und an die verantwortlichen Strukturen der Verwaltung weitergeleitet werden (Monitoring-Aspekt).

3. Lots(inn)en (Mittlerpersonen) selbst

Eigene Erfahrungen der Lots(inn)en werden durch das praxisorientierte Fortbildungsprogramm sowie durch die Ausübung der Lotsentätigkeit mit weiteren Kenntnissen und Fähigkeiten so weit ergänzt, dass sie innerhalb eines Jahres über ein sehr breites Wissen über die sozialen Dienstleistungen verfügen.

Durch die enge Zusammenarbeit bilden die Lots(inn)en als bilinguale und bikulturelle Mittlerpersonen die ersten Ansprechpartner(innen) und Vertrauenspersonen für die bezirkliche Verwaltung.

Projektbeschreibung

Die Teilnehmer/innen

In den vergangen 2 Jahren wurde ca. 900 Migrant(inn)en von den 42 Lots(inn)en, 18 Männer und 24 Frauen aus den unterschiedlichsten Herkunftsländern, geholfen.

Kompetenzen, Motive und Qualifizierung der Freiwilligen

Die Lots(inn)en sollen eigene Migrationserfahrung und eine umfangreiche Lebenserfahrung haben, die für ihre Arbeit unabdingbar ist. Das Anforderungsprofil an die Lots(inn)en beinhaltet die folgenden Kriterien:

  • Muttersprachler/innen aus den größten Zuwanderergruppen mit eigener Migrations- und Integrationserfahrung, möglichst aus dem Kiez
  • gute deutsche Sprachkenntnisse
  • höherer Schulabschluss erwünscht, mindestens Hauptschulabschluss
  • hohes Ansehen bei der Zielgruppe, gern auch höheren Alters
  • vorurteilsfreie Einstellung gegenüber anderer nationaler bzw. ethnischer Herkunft oder anderem Glauben
  • kontaktfreudiges, aufgeschlossenes Auftreten
  • Bereitschaft zu flexibler Arbeitsweise
  • Bereitschaft zum Fortbildungsteil der Maßnahme
  • Arbeitszeit: 38,5 h/Woche (bis 30 % der Arbeitszeit Qualifikation), gleitend

Die Teilnehmer/innen wollen durch ihr Engagement die eigene Integration in den Arbeitsmarkt erreichen.

Das Fortbildungsprogramm wird für alle Lotsenprojekte zentral über das Bezirksamt Mitte organisiert und ist in dieser Form einzigartig. Es besteht aus etwa 35 Bausteinen, die kontinuierlich im Laufe des ABM-Jahres parallel zum Einsatz der Lots(inn)en durchgearbeitet werden. Zwei der Bausteine werden allerdings regelmäßig zum Einsatzbeginn eines neuen Teams wiederholt, nämlich “Struktur des Bezirksamtes“ und “Technik des Lotsens“.

Projektablauf und -inhalte

Die Lots(inn)en sind für eine unbestimmte Anzahl an Personen im Quartier ansprechbar, und zwar über direkte aufsuchende Ansprache. Die Kontaktaufnahmen finden im Vorortbüro oder durch die Präsenz der Lots(inn)en in Einrichtungen sowie zu besonderen Ereignissen im Kiez (z.B. auf Märkten, in Geschäften und Cafés, bei Stadteilfesten, in Schulen usw.) statt. Einzelne Fälle können Mehrfachkontakte erfordern andere sind mit einer einfachen Vermittlung ausreichend behandelt. Im Lotsenprojekt erfolgt eine Falldokumentation und -auswertung auch mit den involvierten Verwaltungen und Regeldiensten. Das Projekt hat keinen Treffpunktcharakter, es gibt jeweils ein Vorortbüro und ein Großteil der Kontakte kommt im Rahmen der aufsuchenden Arbeit zustande.

Die Tätigkeitsmerkmale der Lots(inn)en umfassen im Einzelnen:

  • Die Lots(inn)en sind Vertrauenspersonen. Sie müssen das Vertrauen sowohl der eigenen Landsleute wie auch das der deutsch geprägten Einrichtungen genießen.
  • Ihre Aufgabe ist es, die Verbindung zwischen dem sozialen Bedarf mangelhaft orientierter und von Angeboten ungenügend erreichten Bevölkerungsgruppen im Kiez und den Angeboten des Landes Berlin und speziell des Bezirkes Mitte herzustellen.
  • Sie lösen keine Probleme, sondern sie erkennen sie und führen sie einer Lösung zu.
  • Bei ganzen Problembündeln helfen sie, diese zu entwirren und die Einzelprobleme einer Lösung zuzuführen.
  • Bei ihrer Vermittlertätigkeit ermöglichen sie den Personen, die ihre Hilfe in Anspruch nehmen, immer zugleich auch selbst zu lernen, wie solche Probleme angegangen werden müssen. Sie sind auf eine besondere, ganz unauffällige Weise Mentor(inn)en beim Erlernen des Lebens in der neuen Heimat.
  • Sie treten nur ausnahmsweise als Sprachmittler/innen in Erscheinung, verdeutlichen aber den Betroffenen, dass gegebenenfalls Personen zum Dolmetschen mitgebracht werden müssen.
  • Während der Hilfeleistung machen sie den Betroffenen deutlich, dass das Erlernen der deutschen Sprache für die Bewältigung ihres Alltages unumgänglich ist. Sie ermuntern sie dabei und informieren sie über die vorhandenen Angebote im Umfeld sowie die Förderungsmöglichkeiten.
  • Sie stehen über ein festes Kontakttelefon Einrichtungen und der Verwaltung zur Intervention und Prävention bei Krisensituationen zur Verfügung.
  • Sie finden ihre Aufgaben ohne spezielle Anbindung an Einrichtungen (Schule, Kita u. ä.) an alltäglichen Kommunikationsorten überall im Quartier, sei es durch persönlichen Kontakt oder Mundpropaganda, und wirken vor allem durch das gesprochene Wort.
  • Sie leisten in erster Linie niedrigschwellige, aufsuchende Familienarbeit. Dabei vermitteln sie ein Gefühl von Nachbarschaftlichkeit, das sich positiv auf das Zusammenleben im Kiez auswirkt.
  • Sie vervollständigen das vorhandene soziale Netz und verknüpfen es nachhaltig mit neuen Elementen.
  • Sie arbeiten selbständig. Dabei muss es ihnen gelingen, sich gegen psychische Belastungen aus besonderen Härtefällen abzugrenzen und gegen Überforderungen jeder Art wirksam zu schützen.

Erfolgsfaktoren und Schwierigkeiten

Was gut gelungen ist:

Die Lots(inn)en sind sozialarbeiterisch gesehen eine unschätzbare Ressource, um sie im Sinne der Strategie des Empowerment als Multiplikator(inn)en und Vermittler/innen zwischen den Bewohner(inne)n mit Migrationshintergrund und den Regeldiensten und Dienstleistungen im Bezirk Mitte, insbesondere der Verwaltung des Bezirksamtes Mitte im Stadtteil einzusetzen. Das Projekt und die Arbeit der Lots(inn)en werden als sehr positiv bewertet, d.h. es konnte eine Brücke geschlagen werden und die bisher vorhandenen Ängste bei der Migrantenbevölkerung konnte abgebaut werden. Ebenso hat sich das Bild der Migrant(inn)en vom Amt gewandelt, d.h. der Gang zum Amt wird in Zukunft leichter. Das Lotsenprojekt kann als besondere Art eines „Türöffners“ für die interkulturelle Öffnung der Regeldienste und Sozialdienstleistungen verstanden und genutzt werden.

Wo es Schwierigkeiten gibt:

Trotz dieser Erfolge bleibt die Tatsache festzustellen, dass weiterhin ein Teil der Personen mit Migrationshintergrund die Regeldienste noch nicht selbstständig aufsuchen kann.

Durch die ABM-Maßnahme können die Lots(inn)en ein Jahr beschäftigt werden. Der Personalwechsel durch das Folgeprojekt verursacht eine Lücke bei diesen Übergängen.

Verstetigung des Projektes unabhängig von den Soziale Stadt Mitteln ist ein Problem, an dem die AG Koordinierung „Brücken-Teams“ arbeitet und Lösungsmodelle für die flächendeckende Implementierung des Projektes für den Bezirk Mitte ausarbeitet.

Fazit der Projektkoordinatorin

„Das Projekt ist ein praxis orientierter Beitrag zur Anbahnung von Integration und interkultureller Öffnung der Verwaltung vor den Toren des Bezirksamtes.“

Eine Untersuchung zu den Lotsenprojekten findet sich unter: www.berlin.de/imperia/md/content/bamitte/presse/integrationsbeauftragter/die_br_cke_untersuchung.pdf

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