Integrationslotsinnen
Migrantinnen mit vorhandenen sprachlichen und sozialen Kompetenzen sollen als Schlüsselpersonen in der Vermittlung zwischen dem System Schule und Eltern mit Migrationshintergrund dienen. Nach den ersten drei Jahren wurden die Lotsinnen zu Gesundheitsmanagerinnen weitergebildet.
- Kontaktinformationen
- Entstehungszusammenhang und Rahmenbedingungen
- Ziele und Zielgruppen
- Teilnehmer/innen
- Kompetenzen, Motive und Qualifizierung der Freiwilligen
- Projektablauf und -inhalte
- Erfolgsfaktoren und Schwierigkeiten
- Fazit der Projektkoordination
Kontaktinformationen
VHS-Offenbach
Berliner Str. 77
63065 Offenbach
Hessen
www.los-netz-of.de/archiv/lotsin.html
www.los-netz-of.de/gesundheit.html
Entstehungszusammenhang und Rahmenbedingungen
- Laufzeit
- 2004-2007
- Programmförderung
- LOS
- Finanzierung
- LOS und Eigenmittel des Trägers
Entstehung
Die Idee zum Projekt „Integrationslotsinnen“ entstand aus den langjährigen Bemühungen, eine Intensivierung der Elternarbeit an der Wilhelmschule zu erreichen. Als Projektvorbild galt ein ähnlich strukturiertes Projekt in Kassel. Das Projekt wurde von der Schulleitung in Kooperation mit der Volkshochschule sowie dem Frauenbüro, der Leitstelle für Zusammenleben und dem Jugendamt der Stadt Offenbach ins Leben gerufen.
Rahmenbedingungen
Die Projektkoordinatorin ist für Durchführung der Qualifizierungsmaßnahmen für die Lotsinnen und deren Betreuung zuständig. Sie dient als Ansprechpartnerin und kümmert sich um die öffentliche Darstellung des Projektes und die Stärkung des Netzwerkes, auf das dass Projekt angewiesen ist.
Im ersten und zweiten Jahr erhielten die Lotsinnen eine pauschale Aufwandent- schädigung von 150 Euro. Im dritten Jahre bekommen sie 11 Euro pro Stunde und je nach Aufwand. Für ihr Engagement erhielten die Lotsinnen zudem die Ehren- amtskarte des Landes Hessen. Beide Schulen, die an dem Projekt beteiligt waren, haben einen Integrationspreis gewonnen.
Ziele und Zielgruppen
Die Zielgruppe des Projektes sind Kinder mit Migrationshintergrund. die die Sekundarstufe 1 besuchen und gleichermaßen ihre Familien, insbesondere die Eltern. Das Hauptziel des Projektes ist, den Zugang der Migrantenfamilien zur Institution Schule zu verbessern und den Dialog zwischen Schule und Elternhaus konstruktiv zu gestalten. Dieses Ziel soll mit Hilfe der Lotsinnen erreicht werden, die in Konfliktsituationen zwischen Schule und Eltern vermitteln.
Projektbeschreibung
Die Teilnehmer/innen
An dem Projekt haben 15 Migrantinnen aus unterschiedlichen Herkunftsländern teilgenommen.
Kompetenzen, Motive und Qualifizierung der Freiwilligen
Es gibt zwei wichtige Auswahlkriterien für die Integrationslotsinnen. Zum einen sollten es Frauen sein, die bereits an der Schule aktiv und engagiert sind und zum anderen nach Möglichkeit Migratinnen, die über gute Deutschkenntnisse verfügen, weil auf diese Weise der Zugang zu den Migrantenfamilien deutlich erleichtert wird.
Um die Aufgaben, die die Lotsinnen zu bewältigen haben, kompetent durchführen zu können, ist es wichtig, dass sie ein hohes Maß an Kommunikationsfähigkeit und Flexibilität in ihr Engagement einbringen. So müssen auch offen für Kritik sein, denn nur so können sie als Vermittlerinnen auch ernstgenommen werden.
Das wichtigste Motiv der Lotsinnen für ihr Engagement ist, dass sie Interesse an der Mitarbeit in der Schule haben, weil es auch die Schule des eigenen Kindes ist. Dazu kommt, dass die eigenen Migrationserfahrungen den Wunsch wecken, anderen Migrant(inn)en und ihren Kindern helfen zu wollen. Die Projektkonzeptionen bietet zudem den Lotsinnen interessante Weiterbildungsmöglichkeiten, zu denen sie sonst keinen Zugang oder Anlass hätten.
Damit die Lotsinnen sicher und kompetent ihre Aufgaben wahrnehmen können, wurden Qualifizierungsmaßnahmen durchgeführt, die sich über die gesamte Laufzeit des Projektes erstreckte. Im ersten Jahr umfasste die Qualifikation 80 Stunden, im zweiten Jahr 85 Stunden und im dritten Jahr sogar 106 Stunden. In den ersten beiden Jahren wurden Kommunikationstechniken erlernt und eingeübt. Des Weiteren stand das Kennenlernen der Institutionen und Regeldienste in Offenbach im Mittelpunkt sowie eine Einführung in das deutsche Bildungssystem. Im dritten Jahr haben die Lotsinnen zahlreiche Veranstaltungen selbstständig geplant und durchgeführt. Dazu gehörten u.a. regelmäßige Vorlesenachmittage in unterschiedlichen Sprachen oder Informationsveranstaltungen zum Thema Weiterführende Schulen. Außerdem wurden die von den Lotsinnen geführten Gespräche ausgewertet.
Projektablauf und -inhalte
Die konkreten Aufgaben der Lotsinnen bestehen darin, durch aufsuchende und bedarfsorientierte Ansprache von Migratinnen an der Schule einen Zugang zu diesen Familien herzustellen. Je nach Bedarf sollen sie Kontakte zwischen Schule, Migrantenfamilien und sozialen Einrichtungen herstellen. Einen wichtigen Stellenwert in ihrer Arbeit nimmt die Konfliktvermittlung zwischen Eltern und Schule ein. Darüber hinaus sollen sie die Bildungsmotivationen fördern und Brücken für Integrationsmaßnahmen und Sprachförderung bauen. Genauso wichtig ist ihre beratende und aufklärende Funktion. Die Treffen finden vorwiegend im Elterncafé der Schule statt.
Nach diesen ersten drei Jahren wurden die Lotsinnen zu Gesundheitsmanagerinnen weitergebildet. Weitere Qualifizierungen von Frauen zu Lotsinnen an anderen Schulen werden fortgeführt.
Erfolgsfaktoren und Schwierigkeiten
Was gut gelungen ist:
Die berufliche Entwicklung der Lotsinnen ist positiv zu bewerten. Einige sind auch aus diesem Projekt ausgestiegen, weil sie mit Enttäuschungen oder den langwierigen Prozessen nicht klargekommen sind. Die Vermittlertätigkeiten in Einzelgespräche haben zu vielen kleinen Erfolg geführt, so konnten zum Beispiel Ängste der Eltern vor Klassenfahrten abgebaut werden.
Wo es Schwierigkeiten gibt:
Das Elterncafé wird nicht so stark frequentiert wie angenommen. Es war eine neue Erfahrung für die Lotsinnen, dass trotz viel Arbeit die Erfolge eher in kleinem Rahmen stattfinden. Die Akzeptanz der Lehrer/innen könnte größer sein, so dass man die Lotsinnen selbstverständlicher in Anspruch nimmt.
Fazit der Projektkoordinatorin
„Mein Eindruck ist sehr positiv, das liegt auch an der Gruppenzusammensetzung der Lotsinnen. Die Dynamik hat gefruchtet, die berufliche Entwicklung und viel Anerkennung der Lotsinnen haben sich auch rückwirkend sehr positiv auf das Projekt ausgewirkt.“

