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Integrations- und Elternlotsen im Landkreis Osnabrück

Integrations- und Elternlots(inn)en beraten und begleiten auf ehrenamtlicher Basis Migrant(inn)en in allen integrationsrelevanten Lebensbereichen.

 

Kontaktinformationen

Landkreis Osnabrück
Fachdienst Ordnung
- Integrationsbeauftragter -
Am Schölerberg 1
49082 Osnabrück
Niedersachsen
www.landkreis-osnabrueck.de


Entstehungszusammenhang und Rahmenbedingungen

Laufzeit
seit 2005 laufend
Programmförderung
Landesprojekt Niedersachsen
Finanzierung
Land Niedersachsen und Eigenmittel des Landkreises Osnabrück

Entstehung

Das Modellprojekt „Integrationslotsen“ in der Stadt Osnabrück und im Landkreis Osnabrück wurde 2005 vom Osnabrücker Kulturberater Reinhart Richter, der Stadt und dem Landkreis Osnabrück sowie dem Land Niedersachsen gemeinsam initiiert. Da es sich um ein Modellprojekt handelte, wurde es vom Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück evaluiert, damit langfristig die Projektkonzeption auch in andere Kommunen transferiert werden kann.

Den konkreten Hintergrund des Projekts stellt die Problematik dar, dass Migrant(inn)en die Informations- und Beratungsangebote der Migrationsarbeit kaum oder nur in geringem Umfang nutzten und eher auf bereits länger in Deutschland lebende Familienangehörige und Landsleute als Informationsquellen zurückgreifen. Ein verstärktes freiwilliges Engagement in den verschiedenen Feldern der Migrationsarbeit sollte hier einen wichtigen Beitrag für eine gelingende Integration leisten, indem die Integrations- und Elternlots(inn)en auf ehrenamtlicher Basis Migrant(inn)en an verschiedenen Standorten im Landkreis Osnabrück beraten und begleiten.

Rahmenbedingungen

Das Projekt wird vom Integrationsbeauftragten des Landkreises Osnabrück koordiniert. Des Weiteren handelt es sich bei diesem Projekt um eine Ergänzung zur hauptamtlichen Integrationsarbeit, an der die unterschiedlichsten staatlichen und gemeinnützigen Institutionen beteiligt sind. Auf diese Weise werden in diesem Projekt die hauptamtlichen und ehrenamtlichen Kräfte gebündelt.

Ziele und Zielgruppen

Die Zielgruppen des Projektes sind bleibeberechtigte Migrant(inn)en, die von Integrations- und Elternlots(inn)en in den verschiedensten Lebensbereichen mit Hilfe bestehender Strukturen unterstützt werden sollen. Hierzu zählen z. B die Förderung der Partizipationsmöglichkeiten von Migrant(in)en und die Sicherung des Schulerfolges von Migrantenkindern. Dabei sollen die Integrations- und Elternlots(inn)en langfristig eine wichtige Brückenfunktion zwischen Migrant(inn)en und den hauptamtlichen Kräften übernehmen.

Projektbeschreibung

Die Teilnehmer/innen

Genau Zahlen über die Teilnehmer und deren Alterstruktur liegen nicht vor, es lässt sich aber festhalten, dass die meisten Teilnehmer/innen Frauen sind.

Kompetenzen, Motive und Qualifizierung der Freiwilligen

Es gibt keine Vorgaben, um als Freiwillige tätig zu werden. Dennoch ist es ein wichtiges Anliegen des Projekts, die bestehenden Strukturen, in denen Ehrenamtliche engagiert sind, mit passgenauer Qualifikation zu unterstützen.

Die meisten Ehrenamtlichen haben selbst Migrationserfahrung, daher sind ihre Gründe zur Aufnahme eines Engagements oftmals sozial motiviert. Einige andere, die entweder schon länger ehrenamtlich engagiert sind oder aber bereits informell Hilfeleistungen übernommen haben, wollen die Möglichkeit wahrnehmen, durch die Nutzung der Qualifizierungsmaßnahmen professionellere Unterstützung anzubieten. Für das Projekt ist es auch wichtig, die Ressourcen, die Migrant(inn)en mitbringen, für alle Beteiligten gewinnbringend zu nutzen.

Die Qualifizierungsmaßnahmen für die Integrationslots(inn)en werden von der VHS durchgeführt und orientieren sich thematisch an interkulturellen und migrationsspezifischen Inhalten. Für die Elternlots(inn)en wurde vorab ein Konzept entwickelt, das 18 Unterrichtsstunden für Migranteneltern und freiwillige Deutsche vorsieht. Die Schulung soll die Teilnehmer/innen dazu befähigen, Elternvertretungsfunktionen wahrzunehmen. Die Schulungen werden ebenfalls von der VHS durchgeführt.

Auf Wunsch der Teilnehmer/innen wurde das Konzept in allen Gruppen erheblich erweitert. Nach Abschluss des geplanten Moduls wurden weitere Thermen erarbeitet.
Eine Gruppe von Elternlotsen, hat sich selbst organisiert und will ab Herbst 2007 Sprechstunden in einem Kindergarten anbieten. Diese Integrationslotsinnen wollen ihr Engagement nicht auf Schul- und Erziehungsfragen reduzieren und stattdessen auch in allen anderen gesellschaftlich relevanten Bereichen wie z. B. Reintegration in den Arbeitsmarkt tätig werden. Hierfür organisieren sie selbst Informationsveranstaltungen oder lassen diese organisieren. Für ihre integrationsfördernden Tätigkeiten werden sie vom Bürgermeister unterstützt.

Projektablauf und -inhalte

Die Projektkonzeption verfolgt im Landkreis Osnabrück einen etwas anderen Ansatz als die Stadt Osnabrück, sie ist auf die konkreten Bedingungen in einem sehr großen Landkreis vor Ort angepasst.

Sehr positive Erfahrungen konnten auch mit dem Angebot der Jugendleitercard JULEICA gemacht werden, um Ressourcen strategisch und effektiv zu bündeln. In den Berufsbildenden Schulen wird eine sehr engagierte Schulsozialarbeit durchgeführt, die nachmittags und in den Ferien den Jugendlichen verschiedene Freizeit- und Sportangebote macht. Die Verantwortung hierfür übernehmen jugendliche Übungsleiter/innen. Um an dieser Stelle Ressourcen zu bündeln, wurde ihnen die JULEICA Ausbildung angeboten, sodass sie ein anerkanntes Zertifikat erhalten. Die hierfür notwendige Ausbildung ist ein geeignetes Instrument, in dessen Rahmen auch interkulturelle Aspekte eingebunden werden können. Bisher wurden 10 Jugendliche ausgebildet, vier davon sind auch als Integrationslots(inn)en tätig. Die interkulturelle Zusatzqualifikation wird derzeit als Zusatzmodul für die Juleica-Ausbildung angeboten. Dieses Projekt wird von der Robert-Bosch-Stiftung unterstützt.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Integrationsarbeit sind die Elternlots(inn)en, die an verschiedenen Standorten als Gruppe installiert sind. Migranteneltern und freiwillige Deutsche werden dazu ausgebildet, Elternvertretungsfunktionen wahrzunehmen. In Dissen hatte sich eine Gruppe, angebunden an einen örtlichen Kindergarten, gefunden, die sich jetzt selbst organisiert, und ab Herbst Sprechstunden im Kindergarten für Eltern anbietet. Diese Gruppe hat sich zu vollwertigen Integrationslotsen entwickelt. In Bersenburg ist eine Gruppe von Russlanddeutschen und einzelnen anderen Nationalitäten engagiert. Ihr Einsatz gestaltet sich schwieriger, weil sie über den JMD eingesetzt werden, welchem die Anbindung an Bildungseinrichtungen fehlt. Deshalb werden jetzt Kontakte zum Aufbau eines Netzwerkes geknüpft, damit die Anbindungen an weitere Akteure gestaltet werden können. In Georgsmarienhütte bestand bereits eine Gruppe türkischer Frauen zusammen, die von einer türkischen Elternratsmutter initiiert wurde. Sie hat nachziehende Ehefrauen und Mütter angesprochen und sie in die Gruppe eingeladen. Mit einer in der Migranten-Community bekannten und kompetenten Persönlichkeit ist es einfacher, andere Migrant(inn)en zur Teilnahme zu bewegen. Die Angebote der Frauengruppe sind bisher niedrigschwellig ausgerichtet gewesen. Jetzt fordern die Frauen ein Deutschkursangebot, das ihren Bedürfnissen angepasst ist. Denn durch die Teilnahme an der Gruppe haben sie gelernt, dass sie, um ihre Kinder adäquat unterstützen zu können, die Sprache beherrschen müssen. Die Entwicklung könnte hier in Richtung der Bildung eines Begegnungszentrums gehen.

Weitere neue Projekte an verschiedenen Standorten im Landkreis sind derzeit in der Planung und Umsetzung begriffen.

Erfolgsfaktoren und Schwierigkeiten

Was gut gelungen ist:

Der Landkreis als ländlicher Raum bietet Besonderheiten für die Gestaltung der Netzwerkarbeit, die es zu nutzen gilt. Entscheidend für ein solides, funktionstüchtiges Netzwerk ist, dass bestehende Strukturen verstetigt und in die vorhandenen Regelangebote integriert oder mit diesen verknüpft werden. Die Erfahrungen, die in Stadt und Landkreis Osnabrück gesammelt wurden, haben dazu beigetragen, dass die Förderrichtlinien in Niedersachsen offener gestaltet wurden. So werden Angebote zum Testen offeriert, damit man die Menschen gezielt an Angebote und Aufgaben heranführen kann. Auf diese Weise kann man ihr Interesse wecken und ihnen Mut machen.

Wo es Schwierigkeiten gibt:

Es fehlt noch ein verstärktes Integrationsmonitoring, insbesondere Sprachstandsuntersuchungen bei Kindern im Alter von vier Jahren, damit der Förderunterricht so früh wie möglich stattfinden kann. Ansonsten verlieren diese Kinder schon bei der Einschulung ihr Recht auf Chancengleichheit. Auch wenn die Ergebnisse erst Jahre später erkennbar sind, könnte man die Weichen stellen.

Fazit des Projektkoordinators

"Bislang handelt sich vor allem um gefühlte Effekte: Wir erkennen die Leute an, im Gegensatz dazu sind die quantitativen Effekte nicht messbar. Die positiven Effekte in der migrantischen Bevölkerung sind deutlich wahrzunehmen, aber nicht unbedingt bei Einheimischen. Für die Zukunft gilt es, die öffentliche Wirksamkeit zu steigern und das Ehrenamt in Vereinen als typisch Deutsch für andere zugänglich zu machen."

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